5. Februar 2026
USA am Limit, Schwellenländer im Aufwind: Zeit für Emerging-Markets-ETFs

USA am Limit, Schwellenländer im Aufwind: Zeit für Emerging-Markets-ETFs

Rekorde in den USA, wachsende Tech-Risiken: Warum Experten raten, den USA-Anteil zu prüfen – und Schwellenländer neu zu bewerten.

Trotz anhaltender geopolitischer Spannung bewegen sich die großen Indizes wieder in Richtung Allzeithoch. „Trotz geopolitischer Spannungen, erratischer Zollpolitik und dem konfrontativen Regierungsstil von Donald Trump präsentierten sich die globalen Aktienmärkte erstaunlich robust“, schreiben daher Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF und Global CIO von ODDO BHF Asset Management.

„Wie kurzlebig politische Aussagen für die Entwicklung an den Kapitalmärkten sein können, hat erneut US-Präsident Donald Trump demonstriert. Seine Maximalforderung, Grönland um jeden Preis ins Staatsgebiet der USA einzuverleiben, hat er während seiner Davos-Rede zunächst selbst abgeschwächt, als er sagte, dass die USA gegenüber Grönland keine Gewalt anwenden würden. Die Aktienmärkte reagierten darauf mit Erleichterung“, sagt Klaus Niedermeier, Leiter Investment Strategie der Apo Bank.

Tipp: Wie sieht dein Portfolio aus? Zu viel  USA im Depot? So gehst du mit diesem Problem richtig um. Nutze zur Kontrolle gleich den extraETF Portfolio Tracker.

Alles noch normal? Nicolas Forest, CIO bei Candriam, spricht von einer neuen Dimension und nennt es die „Ära des Gigantismus“. Der S&P 500 erreicht 7.000 Punkte, einzelne Technologiekonzerne übersteigen mit ihrer Marktkapitalisierung die Wirtschaftsleistung ganzer Länder. Für viele Privatanleger fühlt sich diese Entwicklung komfortabel an, doch genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung. Profis richten ihre Blicke jetzt Richtung Schwellenländer.

Tech- und KI-Risiken: Weniger USA, mehr Schwellenländer

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, mahnt zur Vorsicht. Der Aktienmarktexpress scheint zwar nicht aufzuhalten, doch vor allem im Technologie- und KI-Sektor haben sich erhebliche Klumpenrisiken aufgebaut. Da der US-Markt besonders stark von wenigen Tech-Schwergewichten geprägt ist, lohnt sich ein kritischer Blick auf den USA-Anteil im eigenen Depot. Hohe Bewertungen setzen voraus, dass die Erwartungen dauerhaft erfüllt werden. Bleibt das Wachstum hinter den Hoffnungen zurück, kann das Abwärtspotenzial erheblich sein.

Checke also gleich deinen US-Anteil im Depot und nutze dazu den extraETF Portfolio Tracker. Als Hinweis zur US-Gewichtung in deinem Portfolio: Wenn du diese zu je 50 Prozent an der Marktkapitalisierung und der Wirtschaftsleistung ausrichten möchtest, läge der US-Anteil derzeit bei gut 46 Prozent.

Ein erstes Warnsignal: Schwellenländer schlagen die USA

In dieses Bild passt eine Entwicklung, die viele Anleger überrascht hat. 2025 war das erste Jahr seit 2017, in dem Schwellenländer-Aktien besser abschnitten als der US-Markt. Für John Malloy, Co-Head des Emerging & Frontier Markets Teams bei Redwheel, ist das kein Zufall. Er sieht Parallelen zu früheren Phasen, in denen internationale Aktien über mehrere Jahre hinweg eine strukturelle Überrendite erzielten. Aus seiner Sicht könnte dies der Auftakt zu einem neuen, längerfristigen Zyklus sein. Und, wenn du dich nun fragst, wie du am besten in Schwellenländer investierst, wollen wir dir jetzt helfen. Schau dir gleich unsere Seite Investieren in Schwellenländer-ETFs an.

Bewertungen als Schlüsselfaktor für die nächsten Jahre

Ein zentraler Unterschied zwischen den Regionen liegt in den Bewertungen. US-Aktien werden heute zu Kurs-Buchwert-Verhältnissen gehandelt, die zuletzt zur Zeit der Dotcom-Blase erreicht wurden. Malloy weist darauf hin, dass US-Aktien damit stark auf dauerhaft hohes Gewinnwachstum angewiesen sind. Internationale Aktien und insbesondere Schwellenländer bieten ein anderes Profil. Ihr Renditepotenzial ergibt sich nicht nur aus Gewinnsteigerungen, sondern auch aus der Möglichkeit einer Neubewertung und dem Schließen der enormen Bewertungslücke gegenüber den USA. 

Übrigens: Solche wichtigen Bewertungskennzahlen kannst du auch schnell über den extraETF Portfolio Tracker speziell zu deinen ETFs erfahren.

Langfristige Prognosen sprechen gegen die Wall Street

Auch andere Marktbeobachter teilen diese Einschätzung. Die Strategen von Goldman Sachs erwarten für den S&P 500 in den kommenden zehn Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von lediglich 6,5 Prozent, den niedrigsten Wert unter allen großen Regionen. Für Schwellenländer rechnen sie dagegen mit deutlich höheren Erträgen. Peter Oppenheimer, Chefstratege für globale Aktien bei Goldman Sachs, geht sogar davon aus, dass sich die Underperformance von US-Aktien langfristig verfestigen könnte. Sein Team rät Anlegern deshalb, ihre Portfolios breiter aufzustellen und verstärkt außerhalb der USA zu investieren.

Tipp: In der Extra-Magazin-Ausgabe 2/2026 zeigen wir dir, wie die Experten von Goldman Sachs die Aktienmärkte der großen Regionen auf Sicht von zehn Jahren einschätzen. Hier geht es zum Shop.

Warum der Vorsprung der USA schrumpfen könnte

Der Bewertungsaufschlag der Wall Street ist erheblich. Nach Zahlen von Goldman Sachs wird der US-Markt mit mehr als 50 Prozent Aufschlag gegenüber anderen Regionen gehandelt. Gleichzeitig liegen Gewinnmargen und Eigenkapitalrenditen nahe historischer Höchststände. Viele der Rückenwinde der vergangenen Dekade, etwa extrem günstige Finanzierung oder steigende Margen, dürften künftig weniger stark wirken. Für Redwheel-Mann Malloy ist genau dieses Ungleichgewicht ein zentrales Argument für internationale Aktien, da deren Renditepotenzial weniger von perfekten Rahmenbedingungen abhängt.

Technologischer Fortschritt ist kein reines US-Thema

Künstliche Intelligenz und technologische Innovationen bleiben wichtige Wachstumstreiber. Doch ihre Erträge werden sich nicht zwangsläufig nur bei US-Tech-Giganten konzentrieren. Malloy betont, dass strukturelle Reformen, günstigere Währungen, Rohstoffreichtum und eine stärkere Industriebasis vielen Schwellenländern eine attraktive Ausgangslage verschaffen. Die langfristigen Vorteile technologischer Entwicklungen könnten sich damit breiter über die Weltwirtschaft verteilen.

Was das für dich als Aktienanleger bedeutet

Für dich stellt sich damit eine entscheidende Frage: Willst du weiterhin stark auf einen Markt setzen, der von wenigen, sehr hoch bewerteten Technologieunternehmen dominiert wird, oder ist es sinnvoll, den USA-Anteil im Depot kritisch zu überprüfen? Gerade Schwellenländer könnten dabei wieder eine größere Rolle spielen, als viele Anleger es aus den vergangenen Jahren gewohnt sind.

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