14. Februar 2026
Home Bias: Heimattreue kostet deutsche Anleger mächtig Rendite.

Selbst Profis fallen auf Home Bias rein – sei schlauer und vermeide diesen Fehler

Selbst professionelle Fondsmanager investieren zu stark in ihre Heimatmärkte. Home Bias ist kein Privatanleger-Problem – du kannst es besser machen.

Viele Privatanleger glauben, Home Bias sei ein typischer Anlegerfehler unter Anfängern: Man investiert lieber in bekannte Unternehmen aus dem eigenen Land, weil sie sich vertrauter und sicherer anfühlen. Doch genau dieses Verhalten ist weit verbreitet – auch unter Profis. Jan Tachtler, Leiter Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust, bringt es klar auf den Punkt, wenn er feststellt, dass „der Home Bias kein exklusives Privatanleger-Phänomen“ ist. Home-Bias ist damit weniger ein Wissensproblem als ein menschliches Muster, dem selbst erfahrene Marktteilnehmer nicht entkommen.

Home Bias Falle: Auch Profis investieren nicht wirklich global

Gemeinsam mit seinem Team hat Jan Tachtler 500 weltweit anlegende Aktienfonds analysiert. „Der Home Bias ist kein exklusives Privatanleger-Phänomen. Auch professionelle Fondsmanager weichen systematisch vom globalen Marktportfolio ab – häufig zugunsten des eigenen Wirtschaftsraums“, so Tachtler. Mit anderen Worten: Selbst dort, wo Neutralität und breite Streuung erwartet werden, spielt Heimatnähe eine größere Rolle als gedacht.

Heimatliebe im Fondsportfolio

Besonders deutlich wird das beim Blick auf einzelne Länder. Fonds mit Sitz in Deutschland investieren laut der Analyse spürbar mehr in deutsche Aktien, als es dem tatsächlichen Gewicht Deutschlands im Weltaktienindex entspricht. Tachtler spricht davon, dass deutsche Fonds heimische Aktien im Schnitt um rund 4,2 Prozentpunkte höher gewichten als im MSCI ACWI. In diesem Index hat Deutschland derzeit ein Gewicht von gut zwei Prozent.

Tipp: Vermeide Home Bias und nutze die Kräfte des globalen Aktienmarkts. Nutze hierzu den ETF-Sparplan-Vergleich und lies dir den ETF-Sparplan-Testbericht in der Extra-Magazin-Ausgabe 2/2026 durch. Hier geht es zum Shop.

Dieses Muster ist kein Sonderfall. Vielmehr zeigt sich laut Tachtler europaweit dasselbe Verhalten: Französische Fonds übergewichten Frankreich, britische Fonds Großbritannien und Schweizer Fonds die Schweiz. Selbst US-Fonds sind davon nicht völlig frei – wenn auch in abgeschwächter Form. Wobei man bei letzteren dazu sagen muss: Wie du weißt haben US-Titel in Welt-ETFs ohnehin ein bereits hohes Gewicht haben, was vielen Anlegern Bauchschmerzen verursacht.

Tipp: Zu viel USA im Depot? So gehst du mit diesem Problem richtig um.

Warum „global“ nicht automatisch global bedeutet

Für dich als Privatanleger ist das eine wichtige Erkenntnis. Denn sie zeigt, dass die Bezeichnung „globaler Fonds“ allein wenig über die tatsächliche Streuung aussagt. Entscheidend ist, wie ein Fonds wirklich investiert ist. Tachtler warnt deshalb davor, sich auf wohlklingende Labels zu verlassen, und macht deutlich, dass ein globaler Fonds je nach Herkunft des Anbieters sehr unterschiedliche regionale Schwerpunkte haben kann.

Genau hier entsteht ein versteckter Home Bias, den viele Anleger gar nicht bewusst wahrnehmen. Mit passiven Welt-ETFs umgehst du heimatbezogene Fondsmanager.

Dein Vorteil als ETF-Anleger

Als privater ETF-Anleger hast du die Möglichkeit, dich deutlich näher am weltweiten Marktportfolio zu orientieren – ohne emotionale Heimatpräferenz. Entscheidend ist dabei der Blick unter die Haube. Oder, wie Jan Tachtler es formuliert: Wer wirklich global investieren möchte, sollte die Länderallokation seines Fonds prüfen und nicht nur auf das Etikett „weltweit“ vertrauen.

Hast du zu viel Deutschland im Depot?

Nimmt man es ganz streng, ist ein Deutschland von mehr als zwei Prozent eine Übergewichtung – geht man nach der Marktkapitalisierung, was an der Börse normalerweise die Kenngröße ist. Der deutsche Anteil globalen Bruttoinlandsprodukt liegt bei etwa drei Prozent. Also spätestens bei überschreiten dieser Schwelle ist von Home Bias die Rede. Doch nun ist das Problem: Bei all dem Dickicht im Depot weißt du gar nicht, wie hoch das deutsche Gewicht ist und ob somit eine übermäßig hohe Gewichtung des hiesigen Aktienmarkts vorliegt. Das ändert sich jetzt im Nu. Nutze gleich den extraETF Portfolio Tracker, dann erfährst du sofort, ob eine zu hohe Gewichtung deutscher Aktien vorliegt, gleichzeitig erhältst du einen umfassenden Überblick über deine Finanzen.