
KI erobert den ETF-Markt: AllianzGI startet mit drei aktiven ETFs in Europa
AllianzGI bringt seine ersten aktiven ETFs an die Börse. Wie die KI-gestützte Strategie funktioniert und für wen die neuen Allianz ETFs interessant sind.
Der Markt für aktive ETFs wächst weiter. Mit Allianz Global Investors (AllianzGI) steigt einer der weltweit größten Vermögensverwalter nun auch als ETF-Anbieter in Europa ein. Jetzt sind die ersten drei Allianz Smart Active ETFs an der Deutschen Börse über Xetra handelbar. Sie beziehen sich auf die Aktienmärkte Europas, der USA sowie der Welt.
Für Privatanleger bedeutet das vor allem eines: Die Auswahl an aktiven ETFs wird größer. Neben klassischen, passiven Index-ETFs stehen damit weitere Produkte zur Verfügung, die gezielt versuchen, ihren Vergleichsindex durch aktives Management zu übertreffen.
Die drei Aktien-ETFs sind wohl erst der Anfang. AllianzGI plant insgesamt fünf Allianz Smart Active ETFs: Zu den drei Aktienstrategien sollen zwei weitere, aktiv gemanagte Renten-ETFs hinzukommen, die in Staats- beziehungsweise Unternehmensanleihen investieren. Für die technische Fondsstruktur im Hintergrund soll nach Berichten des Fachmediums ETF Stream der White-Label-Anbieter Waystone als Launch-Partner fungieren, auch wenn AllianzGI das bislang nicht offiziell bestätigt hat. Ganz neu ist das Konzept für den Vermögensverwalter ohnehin nicht: Bereits 2025 hatte AllianzGI erste aktive ETFs in Taiwan eingeführt, und der Schritt nach Europa wird als Fortsetzung dieser Strategie verstanden.
AllianzGI: KI und Datenanalysen statt starrer Indexnachbildung
Im Gegensatz zu klassischen ETFs bilden die neuen Fonds keinen Index eins zu eins nach. Stattdessen entscheidet ein quantitatives Investmentmodell, welche Aktien ins Portfolio aufgenommen werden.
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Dafür kombiniert AllianzGI umfangreiche Datenanalysen mit modernen Technologien wie Machine Learning, Natural Language Processing (NLP) und Künstlicher Intelligenz (KI). Berücksichtigt werden unter anderem Marktpositionierung, Kursdynamik, Analysteneinschätzungen und Faktorprämien. Aus diesen Informationen entstehen Investmentsignale, anhand derer das Portfolio regelmäßig angepasst wird.
Ziel ist es, attraktive Unternehmen frühzeitig zu identifizieren und langfristig eine höhere Rendite als der jeweilige Vergleichsindex zu erzielen. Dabei soll die Abweichung vom Referenzindex überschaubar bleiben: AllianzGI strebt für die Aktienstrategien einen Tracking Error von rund ein bis drei Prozent an – die ETFs sollen sich also erkennbar vom passiven Pendant unterscheiden, ohne dabei zu weit vom Vergleichsindex abzudriften.
AllianzGI ist mit diesem Ansatz nicht allein: Erst wenige Wochen zuvor hat auch Pictet Asset Management acht KI-gestützte Aktien-ETFs in Europa gestartet. Der Einsatz von Machine Learning und NLP zur Portfoliosteuerung entwickelt sich damit zu einem eigenen Trend innerhalb des wachsenden Marktes für aktive ETFs – große Vermögensverwalter positionieren sich hier fast gleichzeitig mit ähnlichen Technologieversprechen.
Drei Allianz ETFs zum Marktstart
Zum Start bietet AllianzGI drei aktive Aktien-ETFs an, die jeweils in Aktien entwickelter Märkte investieren:
| ETF | WKN | Produktkosten | Region | Ertragsverwendung |
|---|---|---|---|---|
| Allianz Smart Europe Equity Active UCITS ETF - EUR Acc | A42DEF | 0,25% | Europa | Thesaurierend |
| Allianz Smart US Equity Active UCITS ETF - USD Acc | A42DEG | 0,20% | USA | Thesaurierend |
| Allianz Smart Global Equity Active UCITS ETF - USD Acc | A42DEC | 0,25% | Global | Thesaurierend |
| Quelle: Deutsche Börse | ||||
Alle drei ETFs sind thesaurierend und investieren jeweils in ein breit gestreutes Aktienportfolio. Zum Vergleich: Passive ETFs auf dieselben Regionen sind teils schon für 0,07 bis 0,15 Prozent zu haben. Die Mehrkosten der aktiven Variante müssen sich also über eine entsprechende Mehrperformance rechtfertigen – das lässt sich erst im Zeitverlauf beurteilen.
Einordnung: Aktive ETFs werden für Anleger immer interessanter
Der europäische Markt für aktive ETFs wächst seit Jahren dynamisch. Allein 2025 kamen in Europa mehr als 130 neue aktive ETFs auf den Markt, für 2026 werden mindestens 200 weitere erwartet. Das verwaltete Vermögen in diesem Segment stieg laut Morningstar von rund 78,8 Milliarden Euro Ende 2025 auf 85,6 Milliarden Euro per Ende März 2026. AllianzGI trifft also auf ein Umfeld mit wachsender Konkurrenz, kann aber auf eine bereits etablierte systematische Investmentplattform sowie erste Erfahrungen aus dem asiatischen ETF-Markt zurückgreifen.
Immer mehr etablierte Fondsgesellschaften setzen auf das ETF-Mantelkonzept und kombinieren aktives Fondsmanagement mit den Vorteilen börsengehandelter Fonds. Für Anleger bieten aktive ETFs die Chance, von den Entscheidungen eines professionellen Fondsmanagements zu profitieren, verbunden mit der börsentäglichen Handelbarkeit eines ETFs. Wie weit das in der Praxis auch tägliche Transparenz über die exakte Portfoliozusammensetzung bedeutet, unterscheidet sich allerdings von Anbieter zu Anbieter. Gleichzeitig gilt: Ein aktiver Investmentansatz ist keine Garantie für eine bessere Wertentwicklung. Ob ein Fonds seinen Vergleichsindex nach Kosten tatsächlich schlägt, zeigt sich meist erst über mehrere Jahre.
Gerade deshalb lohnt es sich, aktive ETFs nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Entwicklung regelmäßig mit passiven ETFs oder einem passenden Vergleichsindex zu vergleichen. Nur so lässt sich beurteilen, ob der aktive Ansatz den gewünschten Mehrwert liefert.
Aktive und passive ETFs sinnvoll überwachen
Wer aktive ETFs wie die neuen Allianz Smart Active ETFs ins Depot aufnimmt, sollte deren Entwicklung regelmäßig überprüfen. Schließlich geht es nicht nur um die absolute Rendite, sondern auch darum, ob der aktive Fonds seinen Vergleichsindex und vergleichbare passive ETFs langfristig übertrifft.
Der extraETF Portfolio Tracker unterstützt Anleger dabei, genau diese Entwicklung im Blick zu behalten. Die neuen Allianz ETFs lassen sich einfach ins Depot integrieren und gemeinsam mit allen anderen ETFs, Fonds und Aktien analysieren. So sehen Anleger auf einen Blick, welchen Beitrag ein aktiver ETF zur Gesamtperformance leistet und wie sich dadurch die Zusammensetzung des Portfolios verändert.
Darüber hinaus zeigt der Portfolio Tracker automatisch Kennzahlen wie Performance, Wertentwicklung, Asset-Allokation, Länder- und Branchenverteilung sowie die Diversifikation des Depots. Dadurch erkennen Anleger frühzeitig, ob einzelne Regionen oder Sektoren übergewichtet sind oder sich Klumpenrisiken entwickeln.
Besonders bei der Kombination aus aktiven und passiven ETFs schafft der Portfolio Tracker die notwendige Transparenz. Anleger können fundiert beurteilen, ob sich die höhere Kostenquote eines aktiven ETFs durch eine entsprechende Mehrperformance rechtfertigt und ob die gewählte Anlagestrategie weiterhin zu den eigenen Anlagezielen passt.