18. Oktober 2026

Minister: Kali-Abwasser in Grube Bischofferode einlagern

ERFURT/UNTERBREIZBACH (dpa-AFX) - Thüringens Umweltminister Tilo Kummer sieht in der Grube Bischofferode einen Weg, die Umwelt- und Entsorgungsprobleme des Kali-Produzenten K+S (Profil)zu entschärfen. Die Anfang der 1990er Jahre stillgelegte Kali-Grube in Nordthüringen habe noch Kapazitäten zur Aufnahme von salzhaltigen Abwässern aus den Werken im hessisch-thüringischen Kali-Revier an der Werra, sagte Kummer (Thüringen.Gerecht) der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Eine Nutzung dieser Kapazitäten sollte durch die zuständige Bundesgesellschaft weiterhin geprüft werden.

Die Umweltbelastung durch die Abwässer des Bergbauunternehmens K+S AG mit Hauptsitz in Kassel ist seit vielen Jahren ein Thema - vor allem die Salzbelastung von Werra und Weser.

Der Werksverbund Werra von K+S beschäftigt nach Unternehmensangaben etwa 4.700 Arbeitnehmer aus Hessen und Thüringen. Produziert werden vor allem Düngemittel, aber auch Vorprodukte für technische und industrielle Anwendungen. Im Südwesten Thüringens ist K+S mit den Standorten Unterbreizbach und Merkers (Wartburgkreis) einer der großen Arbeitgeber.

Kummer: Verhandlung mit Bundesgesellschaft nötig

Er halte die Entsorgung von einem Teil der Produktionsabwässer von K+S in Bischofferode für einen gangbaren Weg - wenn die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) zustimme, sagte der Thüringer Umweltminister. Die LMBV sei für die sichere Verwahrung der Kali-Grube Bischofferode zuständig.

Geprüft werden sollte, Abwässer von den Kali-Halden im Umfeld von Bischofferode mit relativ geringer Salzkonzentration mit hochkonzentrierter Lauge von der Werra anzureichern und in die stillgelegte Grube einzuleiten. Für die Einleitung ist eine gesättigte Lösung nötig, damit unterirdisch keine vorhandenen Salze ausgewaschen werden.

"Wenn mit der LMBV eine Einigung möglich wäre, könnten nach meiner Information mehr als 300.000 Kubikmeter Produktionsabwässer von K+S auf diesem Weg entsorgt werden. Sollte dies nicht gelingen, müssen wir mit allen Anrainerländern eine Lösung finden, die sowohl der Umwelt als auch dem Unternehmen gerecht wird", sagte Kummer.

Pläne, ab 2022 große Mengen Kali-Lauge über eine untertägige Rohrleitung in der ebenfalls stillgelegten Thüringer Grube Springen zu lagern, waren wegen der geologischen Bedingungen und Sicherheitsbedenken gescheitert. Das hatte die Entsorgungsprobleme von K+S erhöht. Der Einleitung der Abwässer in die Werra sind strenge umweltrechtliche Grenzen gesetzt, auf die die Bundesländer pochen. Derzeit geht es K+S um eine wasserrechtliche Einleiterlaubnis für salzhaltige Abwässer für die Zeit nach 2027, die bei Umweltorganisationen auf Kritik stößt.

Treffen der Bundesländer im Dezember

Kummer hofft auf mögliche Regelungen oder zumindest Vorentscheidungen zur Lösung des Problems noch in diesem Jahr. Im Dezember tage die Flussgebietsgemeinschaft Weser, ein bundesländerübergreifendes Gremium, das sich für den Schutz der Weser einsetzt, einschließlich ihrer Zuflüsse wie die Werra. In Vorbereitung auf die Konferenz hätten sich auf Fachebene der Ministerien die meisten Bundesländer für eine streng befristete Übergangslösung von ein- bis maximal zwei Jahren ausgesprochen, bis zu der die neuen, niedrigeren Zielwerte beim Salzgehalt erreicht werden müssten.

"Ich bin mir sicher, dass wir einen vernünftigen Weg finden, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen", so der Thüringer Umweltminister. Bei einer möglichen Einigung spielten sowohl Bischofferode als auch der Abschluss eines Investitionsprojekts von K+S eine maßgebliche Rolle, um die angestrebten Zielwerte möglichst bald zu erreichen.

K+S investiert in geändertes Produktionsverfahren

Nach Unternehmensangaben investiert K+S insgesamt rund 600 Millionen Euro in die Umstellung seiner Produktionsverfahren auf eine trockene Aufbereitung und die weitere Verringerung der Umweltauswirkungen. 2028 soll der Umbau abgeschlossen sein, hatte K+S kürzlich mitgeteilt. Der Kali-Abbau soll nach Prognosen bis 2060 möglich sein.

Umweltorganisation wie der BUND Thüringen oder die Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal" kritisieren die Entsorgungspraxis des Düngemittelproduzenten. Nach Angaben der Thüringer Grünen sollte am Sonntag ein Zeichen gegen die Entsorgung von Kali-Abwässern in der Werra gesetzt werden. Mitglieder der Grünen aus Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen wollten sich in Witzenhausen im hessischen Werra-Meißner-Kreis treffen und ein Papier "Kein Salz in Werra und Weser" vorstellen./rot/DP/zb