15. Februar 2023
Sind hohe Zinsen Gift für Wirtschaft und Aktien?

Zinsen feiern ihr Comeback: Mit diesem ETF profitieren Anleger

Wie lange haben die Anleger darauf gewartet? Die europäische Zentralbank hat von einer kleinen Unterbrechung im Jahr 2011 abgesehen, die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt und zwar so weit, dass der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, zwischen März 2016 und Juli 2022 bei 0 Prozent lag.

Der Einlagesatz, dem Zinssatz, zu dem Banken überschüssiges Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag anlegen können, fiel am 11. Juni 2014 ins Negative (minus 0,1 Prozent), in der Spitze fiel der Zins * am 18. September 2019 auf minus 0,5 Prozent, wo er bis zum 27. Juli 2022 auf diesem historischen Tief verharrte.

Wendepunkt für Zinsen

Doch im Jahr 2022 kam die Wende. Nach dem die Inflationsrate in den zwei Dekaden bis 2020 nur sehr selten das EZB-Ziels von zwei Prozent übertroffen hatte, stieg während der Corona-Pandemie die Inflationsrate im Jahr 2021 erstmals wieder bei 3,1 Prozent, um im Jahr 2022 sogar mit etwa 7,9 Prozent abzuschließen zu müssen.

Damit war die Notenbank gezwungen, den Preis für das Geld anzuheben. Die EZB zeigte sich dabei deutlich zögerlicher als die amerikanische Notenbank FED. Die Fed hat zum einen die Fed Funds Rate (als wichtigsten Zins) nicht ins Negative fallen lassen, und zum anderen bereits im Frühjahr 2022 begonnen, die Zinsen anzuheben. Von 0,25 Prozent ging es im Jahresverlauf auf bis zu 4,5 bis 4,75 Prozent, dem höchsten Stand seit 2007. 

Die Zinsen in Europa lagen Mitte Februar 2023 bei 2,5 Prozent für den Einlagesatz und bei 3,0 Prozent für den Hauptrefinanzierungssatz, also noch deutlich unterhalb der US-Notenbankzinssätze. Die EZB dürfte aufgrund des politischen Drucks insbesondere im Hinblick auf die schwächeren Regionen in Südeuropa zögerlicher an der Zinsschraube drehen, denn höhere Zinsen verringern die Finanzierungsmöglichkeiten für diese Staaten, die am „Tropf des billigen Geldes“ hängen.

Profitieren mit diesem ETF

Wir sehen daher gute Chancen, dass die Zinsen in Europa weiter angehoben werden und um von diesem Trend zu profitieren, bieten sich insbesondere sogenannte Floating-Rate-Notes an. Das sind variable verzinsliche Anleihen, bei denen der Zinssatz meistens an einen der Euribor-Zinssätze (Euro Interbank Offered Rate: Zinssatz, zudem viele europäische Banken einander Geld gewähren) gekoppelt ist. Meistens wird der Euribor für 3 Monatsgelder zugrunde gelegt.

Wer sich bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden „Floater“ unschlüssig ist, in welches Papier investiert werden soll, dem bietet der physisch replizierende ETF auf variabel verzinste Anleihen eine gute Alternative. Der ETF iShares € Floating Rate Notes UCITS ETF (WKN: A2JBMD) ermöglicht einen weltweiten Zugang zu variable verzinsten Unternehmensanleihen, die auf Euro lauten.

Die Kupons variabel verzinster Anleihen reflektieren die Marktzinsveränderungen zu bestimmten Fristen, während traditionelle Anleihen feste Kupons bieten, deren Kurse jedoch entsprechend stärker schwanken.

Der ETF strebt eine Diversifikation hinsichtlich der Emittenten an, um das Risiko eines Ausfalls seitens des Emittenten zu minimieren. Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus auf Euro lautenden kurzfristigen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating besteht.

Über den Autor: Marc Gabriel

Marc Gabriel ist CIIA®, CESGA® und Kundendirektor, Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung in Kleve