14. Februar 2023
Regelmäßiges Rebalancing: Auch ein ETF-Depot braucht Pflege

Regelmäßiges Rebalancing: Auch ein ETF-Depot braucht Pflege

Die Geldanlage mit ETFs ist denkbar einfach. Die passenden Produkte auswählen, Einmalzahlung tätigen oder Sparplan einrichten und sich entspannen. Doch selbst ein ETF-Portfolio muss gepflegt werden: Etwa durch Rebalancing.

Eine der primären Herausforderungen bei der Strukturierung eines Portfolios dreht sich um die Frage, auf welche Anlageklassen das Vermögen lang- und mittelfristig aufgeteilt werden soll.

Der für einen bestimmten Anleger passende Mix aus unterschiedlichen Anlageklassen, hängt maßgeblich von den individuellen Anlagezielen und seinem Risikoprofil ab. Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel aus dem Alltag:
Der Winter ist in Deutschland eingekehrt und ein gutes Schuhwerk ist unabdingbar, um einer möglichen Verletzungsgefahr entgegenzuwirken. Für verschiedene Jahreszeiten besitzen wir unterschiedlich viele Schuhpaare. Der Schuhmix hängt davon ab, in welchem Breitengrad wir leben und auf welche Umweltbedingungen wir uns einstellen müssen.

Im Kontext der Finanzwelt werden Anlageklassen kombiniert, welche sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Ein gutes Beispiel waren historisch gesehen die Anlageklassen Aktien und Anleihen. In den häufigsten fällen haben sich Anleihen stabil gehalten, während Aktien nachgaben. Genau diese ungleichmäßige Entwicklung unterschiedlicher Anlageklasse, verschiebt die Portfolioaufteilung der einzelnen Komponenten nach einer gewissen Zeit. Die regelmäßige Bereinigung dieser Verschiebungen im Portfolio wird Rebalancing genannt.

Warum ist Rebalancing sinnvoll

Aufgrund Ihres Risikoprofils haben Sie sich zu Beginn für ein Portfolio aus bspw. 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Staatsanleihen entschieden. Tendenziell rentieren Aktien höher als Anleihen. Diese höhere Rentabilität geht mit dem Preis eines höheren Risikos einher. Nach einer gewissen Zeit wird sich also der Aktienteil automatisch aufgrund der höheren Rentabilität gegenüber dem Anleihenanteil erhöhen. Mit der Erhöhung der Aktien geht auch eine Steigerung des Gesamtrisikos einher, weshalb das Portfolio nicht mehr dem individuellen Risikoprofil entspricht. Es bietet sich an, den Aktienanteil zu reduzieren und diesen in weniger riskante Anleihen umzuschichten, sodass die Ausgangsaufteilung des Portfolios wiederhergestellt ist. Eine Funktion des Rebalancings ist folglich, das Portfolio laufend auf das langfristig gewählte Risikoprofil anzupassen. Es ist als Teil des Risikomanagements zu verstehen, um keine ungewollten zusätzlichen Risiken einzugehen.



Im umgekehrten Fall kann Rebalancing allerdings auch einen Renditevorteil bringen. Befinden wir uns gerade in einer Phase stark sinkender Aktienkurse während sich Anleihen stabil halten, so verschiebt sich die Aufteilung zulasten der Aktien. Ein präsentes Beispiel hierfür war die Corona-Krise 2020. Wenn Anleger und Portfoliomanagement in einem solchen Krisenszenario die Nerven behalten und diszipliniert rebalancieren, so kaufen sie Aktien zu günstigen Bewertungen ein und profitieren mittel- bis langfristig von höheren Renditen. Der Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf. Je nach betrachteter Studie wird diesem „Rebalancing-Bonus“ einen Mehrrendite von 0,1 bis 0,4 Prozentpunkten über einen langen Zeitraum zugeschrieben. Das mag beim ersten Blick gering erscheinen, macht im besten Fall über bspw. 30 Jahren Anlagedauer beachtliche 12 Prozent mehr beim Vermögensendwert aus. Disziplin und starke Nerven zahlen sich am Ende doch aus. Leider wird dieser Renditevorteil oftmals nicht genutzt, da das Rebalancing während eines Krisenszenarios viele Anleger und sogar Portfoliomanager emotional überfordert.

Wie häufig sollte das Rebalancing stattfinden

Hier sollte vor dem Hintergrund anfallender Transaktionskosten und Steuern auf ein gesundes Maß geachtet werden. In der Vermögensverwaltungspraxis hat sich die systematische Kombination aus drei Methoden bewährt. Grundsätzlich bietet sich ein Rebalancing immer an, sobald dem Portfolio Gelder zu- oder abgeführt werden, da hier immer Transaktionen stattfinden müssen. Fällt dies nicht an, so achten wir darauf, dass einzelne Positionen nicht mehr als 20 Prozent über der zuvor gewählten Aufteilung liegen. In unserem Ursprungsbeispiel mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen würden wir spätestens umschichten, sobald der Aktienanteil 60 Prozent überschreitet. Treten beide zuvor genannten Fälle nicht auf, so bringen wir laufend unterjährig einzelne Positionen innerhalb der Anlageklassen auf die jeweils angedachten Größenordnungen zurück.

Tipp: Du möchtest dein Depot rebalancen? Mit unserem Rebalancing-Rechner ist dies mit nur wenigen Klicks möglich!

Über den Autor: Leandro Barulli

Leandro Barulli ist Vermögensverwalter bei der TOP Vermögen AG in Starnberg