
J.P. Morgan mit Spitzenzins: Chase startet mit vier Prozent auf Tagesgeld
Die US-Großbank J.P. Morgan startet ihre Digitalbank Chase in Deutschland mit vier Prozent auf Tagesgeld. Wie attraktiv das Angebot wirklich ist.
J.P. Morgan, die größte Bank der Welt, hat ihre Digitalbank Chase nach Deutschland gebracht – und startet direkt mit einem Kampfpreis beim Tagesgeld. Zum Marktstart bietet Chase Neukunden vier Prozent Zinsen, allerdings nur anteilig für die ersten vier Monate. Anschließend gilt ein variabler Basiszins von zwei Prozent. Damit positioniert sich Chase sofort im direkten Wettbewerb mit den Neobroker-Platzhirschen Trade Republic und Scalable Capital. Für dich stellt sich damit die Frage: Wie attraktiv ist das Angebot wirklich – und lohnt sich ein Wechsel?
Chase setzt auf hohe Zinsen und starke Marke
„Mit Chase bieten wir den Menschen ab sofort eine bessere Art zu sparen: flexibel, digital und mit klarem Mehrwert. Das verknüpfen wir mit der Zuverlässigkeit und der Erfahrung von JPMorganChase, einer der größten Banken der Welt“, sagt Daniel Llano Manibardo, Deutschlandchef von Chase.
Das Angebot richtet sich vor allem an Sparer, die ihr Geld kurzfristig parken möchten und gleichzeitig eine moderne Banking-App suchen. Besonders auffällig ist der aggressive Einstiegszins. Das sind die wesentlichen Fakten im Schnell-Check:
- Vier Prozent Zinsen für die ersten vier Monate
- danach zwei Prozent variabler Basiszins
- kostenlose Kontoführung
- monatliche Zinsauszahlung
- tägliche Zinsberechnung
- vollständig digitale Kontoeröffnung per App
Chase betont dabei ausdrücklich die langfristige Strategie hinter dem Deutschlandstart. „Wir haben in Deutschland eine ausgeprägte Sparkultur mit viel ungenutztem Potenzial. Deshalb wollen wir mit unserem Sparprodukt Kunden dauerhaft ein attraktives Angebot bieten – auch nach der Angebotsphase – damit sie mehr aus ihrem Geld machen können.“ Dazu passt auch, dass J.P. Morgan im Rahmen einer Presseveranstaltung in London mehrfach darauf hinwies, dass gerade in Europa die Sparquote besonders hoch sei.
Wie schneidet Chase gegen Trade Republic und Scalable Capital ab?
Nach einer lange Durstrecke hat sich der Wettbewerb um Tagesgeldkunden in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Vor allem Trade Republic und Scalable Capital haben klassische Banken mit attraktiven Zinsangeboten unter Druck gesetzt. Schauen wir uns also jetzt die Tagesgeldangebote der beiden führenden Neobroker an.
Trade Republic: Einfaches Modell mit variablem Zins
Trade Republic zahlt aktuell rund zwei Prozent Zinsen auf nicht investiertes Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Das Besondere: Kunden benötigen kein separates Tagesgeldkonto. Das Guthaben wird automatisch verzinst. Streng genommen handelt es sich um kein echtes Tagesgeld, da ein Teil des Vermögens in Geldmarktfonds fließen kann. Das wichtigste dazu in aller Kürze:
- unkomplizierte Integration direkt ins Depot
- monatliche Zinsauszahlung
- keine separate Kontoführung
- attraktive Lösung für aktive ETF-Anleger
| Tipp: Hier geht es zum Depot-Testbericht von Trade Republic. |
Für Anleger, die ohnehin bei Trade Republic investieren, bleibt das Modell komfortabel. Wer allerdings kurzfristig maximale Zinsen sucht, findet bei Chase derzeit zeitlich befristet das attraktivere Neukundenangebot.
Scalable Capital: Dauerhaft höhere Zinsen als Trade Republic
Scalable Capital hat zuletzt ebenfalls nachgelegt und bietet aktuell etwa 2,5 Prozent Zinsen auf das neue Tagesgeldkonto. Damit liegt Scalable Capital beim dauerhaften Zinssatz derzeit vor Trade Republic. Scalable Capital verfolgt dabei ein anderes Modell als Chase:
- separates Tagesgeldkonto mit eigener Iban
- unbegrenzte Verzinsung
- Echtzeit-Transfers zwischen Tagesgeld und Depot
- starke Verzahnung mit dem Investmentangebot
| Tipp: Hier geht es zum Depot-Testbericht von Scalable Capital. |
Der Münchner Neobroker positioniert sich damit zunehmend als vollwertige digitale Investment- und Sparplattform.
Chase punktet mit Marke und Einlagensicherung
Ein wichtiger Unterschied liegt in der Wahrnehmung der Anbieter. Während Trade Republic und Scalable Capital aus der Fintech-Welt kommen, steht hinter Chase mit JPMorgan die größte Bank der Welt. Das dürfte insbesondere sicherheitsorientierte Sparer ansprechen.
Laut Bank sind „im Rahmen der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank geschützt“. Zusätzlich verweist Chase auf die Mitgliedschaft im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken, wodurch Einlagen von Privatpersonen derzeit sogar bis zu drei Millionen Euro abgesichert seien. Damit hebt sich Chase insbesondere bei größeren Vermögen von vielen Fintech-Angeboten ab, deren Kundschaft häufig jüngere Anleger und Sparer sind, die derzeit in der Vermögensaufbauphase sind.
Fazit: Chase erhöht den Druck auf die Neobanken
Mit dem Deutschlandstart der Digitalbank Chase beginnt eine neue Wettbewerbsrunde im Markt für Tagesgeld und digitales Banking. Das Vier-Prozent-Angebot dürfte viele Neukunden anziehen – vor allem in einem Umfeld, in dem klassische Banken häufig deutlich niedrigere Zinsen zahlen. Gleichzeitig zeigt der Markt: Der Wettbewerb zwischen Chase, Trade Republic und Scalable Capital kommt vor allem den Sparern zugute.
| Tipp: Ganz egal, ob du bei einer Direktbank oder einem Neobroker bist: Speise dein Depot in den extraETF Portfolio Tracker ein, um immer den Überblick über dein Vermögen zu behalten. |
Während Chase mit aggressiven Neukundenzinsen und der Stärke von JPMorgan punktet, überzeugen Trade Republic und Scalable Capital weiterhin durch die enge Verbindung von Sparen und Investieren, was gerade für ETF-Freunde ansprechend ist. Allerdings plant der Digitalbank Ableger der US-Großbank bis Ende 2028 sein digitales Banking-Angebot zu erweitern, unter anderem um Girokonten, Investment- und Kreditprodukte.
Für Privatanleger gilt deshalb mehr denn je: Nicht nur auf den kurzfristigen Spitzenzins schauen, sondern auch auf langfristige Konditionen, Einlagensicherung, Bedienkomfort und die eigenen Anlageziele.






