18. April 2026
Billionen im All – wird Asteroiden-Bergbau zum Risiko für den Goldpreis?

Billionen im All – wird Asteroiden-Bergbau zum Risiko für den Goldpreis?

Studien zeigen enormes Rohstoffpotenzial im All. Doch genau das könnte langfristig den Goldpreis unter Druck setzen – und eröffnet neue Perspektiven für ETF-Anleger.

Elon Musk drängt mit SpaceX an die Börse und will sowohl zum Mond als auch zum Mars. Kein Wunder: Im Weltraum schlummern gewaltige wirtschaftliche Potenziale. So ist die wirtschaftliche Bedeutung von Asteroiden keine reine Zukunftsvision mehr. Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass viele dieser Himmelskörper enorme Mengen an Metallen enthalten. So verweist etwa eine Analyse der Harvard International Review darauf, dass der Asteroid 16 Psyche theoretisch Rohstoffe im Wert von bis zu 700 Quintillionen US-Dollar enthalten könnte.

Auch allgemein gilt laut wissenschaftlicher Literatur zum Asteroidenbergbau, dass metallreiche Asteroiden erhebliche Mengen an Edelmetallen und Industriemetallen enthalten können, die potenziell Billionenwerte erreichen. Diese Größenordnungen erklären, warum Asteroidenbergbau in der Forschung zunehmend als potenzieller „Gamechanger“ für globale Rohstoffmärkte diskutiert wird.

Wirtschaftlichkeit: All-Studien zeigen hohe Hürden

Trotz des enormen Potenzials bleibt die wirtschaftliche Umsetzung aktuell schwierig. Eine zentrale Referenz ist die Studie von Hein, Matheson und Fries (2018), A Techno-Economic Analysis of Asteroid Mining. Sie zeigt, dass sich Asteroidenbergbau nur unter sehr spezifischen Bedingungen rechnet – insbesondere bei deutlich reduzierten Transportkosten und einer hohen Anzahl paralleler Missionen.

Ergänzend dazu kommen Calla, Fries und Welch (2018) in ihrer Studie Asteroid Mining with Small Spacecraft and its Economic Feasibility zu dem Ergebnis, dass für einen wirtschaftlichen Betrieb mehr als 100 Raumfahrzeuge sowie mehrjährige Missionen erforderlich wären.

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Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis wird durch reale Missionen deutlich. Die Nasa-Mission OSIRIS-REx brachte rund 121 Gramm Material zur Erde zurück – bei Kosten von etwa 1,16 Milliarden US-Dollar. Diese Daten basieren auf den dokumentierten Ergebnissen der Mission und sind im wissenschaftlichen Überblick zu Asteroidenbergbau zusammengefasst. Damit ist klar: Ein wirtschaftlich tragfähiger Rohstoffabbau im All ist derzeit noch nicht in Sicht.

Der entscheidende Faktor: Angebotsschock bei Edelmetallen

Für Kapitalmärkte ist jedoch weniger die aktuelle Umsetzbarkeit entscheidend als die potenzielle Wirkung auf Angebot und Preise. Genau hier liegt der kritische Punkt. Studien legen nahe, dass die Profitabilität von Asteroidenbergbau stark vom Marktpreis der geförderten Rohstoffe abhängt. Steigt das Angebot, sinken die Preise – ein klassischer Effekt aus der Rohstoffökonomie.

Was würde passieren, wenn Gold aus dem All zur Erde käme? Sollten künftig relevante Mengen des Edelmetalls auf die Erde gelangen, könnte dies die Knappheit – und damit einen zentralen Werttreiber von Gold – nachhaltig untergraben. Preisdruck wäre damit relativ sicher.

Gold als Anlage: stabil – aber nicht unangreifbar

Für ETF-Anleger bedeutet das eine neue Perspektive auf einen klassischen Portfoliobaustein. Gold gilt als sicherer Hafen, weil es knapp ist und nicht beliebig vermehrt werden kann. Genau diese Annahme könnte langfristig infrage gestellt werden. Allerdings ist wichtig: Die Studienlage deutet darauf hin, dass Asteroidenbergbau frühestens in einigen Jahrzehnten wirtschaftlich relevant wird. Kurzfristig bleibt der Goldpreis daher weiterhin von bekannten Faktoren wie Inflation, Realzinsen und geopolitischen Risiken geprägt. Langfristig jedoch entsteht ein strukturelles Risiko, das in vielen Anlagestrategien bislang kaum berücksichtigt wird.

Tipp: Gold könnte irgendwann aus dem All kommen, der Bitcoin wohl eher nicht. Lies gleich passend dazu hier weiter: Bitcoin vs. Gold: Welcher Wertspeicher wird sich durchsetzen?

Raumfahrt-ETFs: Zugang zur Infrastruktur der Zukunft

Während der direkte Abbau von Rohstoffen im All noch Zukunftsmusik ist, entwickelt sich die zugrunde liegende Industrie bereits heute dynamisch. Raumfahrt-ETFs investieren in Unternehmen, die zentrale Technologien bereitstellen – von Raketen über Satelliten bis hin zu spezialisierter Infrastruktur. Diese Unternehmen profitieren schon heute von steigenden Investitionen in die Raumfahrt. Gleichzeitig könnten sie langfristig eine Schlüsselrolle spielen, wenn Asteroidenbergbau wirtschaftlich wird.

Für Anleger ergibt sich daraus eine indirekte Investmentchance: nicht in die Rohstoffe selbst, sondern in die Infrastruktur, die ihren Abbau erst möglich macht. Auch der Börsengang von SpaceX lässt das Thema derzeit in den Mittelpunkt rücken.

Eine stille Disruption mit langfristiger Wirkung

Asteroidenbergbau ist heute noch nicht wirtschaftlich tragfähig, doch seine potenziellen Auswirkungen sind durch Studien gut dokumentiert. Es dürfte klar sein, dass sowohl die wirtschaftlichen Hürden als auch die möglichen Marktfolgen erheblich sind.

Für ETF-Anleger entsteht daraus ein neues Spannungsfeld: Gold bleibt kurzfristig stabil, könnte aber langfristig durch zusätzliche Angebotsquellen unter Druck geraten. Gleichzeitig eröffnet die Raumfahrtindustrie Zugang zu einer möglichen zukünftigen Schlüsseltechnologie.

Gerade in solchen unsicheren, langfristigen Szenarien wird ein strukturierter Blick auf das eigene Portfolio entscheidend. Mit dem extraETF Portfolio Tracker lassen sich unterschiedliche Anlageklassen wie Gold-ETCs und Space-ETFs transparent überwachen, gewichten und gezielt steuern. Anleger erkennen so frühzeitig Klumpenrisiken, können Zukunftstrends systematisch beimischen und ihre Strategie datenbasiert anpassen. Denn wer potenzielle Disruptionen früh erkennt, hat einen entscheidenden Vorteil: Er kann sie nicht nur beobachten – sondern aktiv im Portfolio nutzen.