9. September 2026

AKTIEN IM FOKUS: Luxuswerte unter Druck - HSBC sieht vielfältigen Gegenwind

PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Eine kurzfristig skeptischere Einschätzung des Luxusgütermarktes durch die Großbank HSBC hat am Mittwoch die Aktien vieler Branchenunternehmen belastet. Die Papiere von Hermes (Profil), Swatch (Profil), Kering (Profil), LVMH (Profil), Burberry (Profil) und Richemont (Profil) büßten gegen Mittag bis zu 3,5 Prozent ein.

Anfang März und damit kurz nach Beginn des Iran-Kriegs habe sie noch eine positive Einschätzung zum Luxussegment abgegeben, doch im Nachhinein betrachtet habe sie die Auswirkungen des militärischen Konflikts unterschätzt, schrieb Analystin Anne-Laure Bismuth. Der Krieg habe das Umsatzwachstum aus eigener Kraft (organisches Wachstum) im Sektor um einen Prozentpunkt beeinträchtigt, und im zweiten Jahresviertel hätten sich diese negativen Auswirkungen zumindest nicht weiter verschärft.

Für das zweite Halbjahr nun sieht Bismuth keinen Spielraum für eine konstruktivere Dynamik im Luxusgütersegment. Vielmehr könnten mehrere Faktoren den Sektor belasten: So sei die Vergleichsbasis jetzt schwieriger zu übertreffen, da das organische Wachstum im dritten und vierten Quartal 2025 recht hoch ausgefallen sei.

Zudem konstatierte die Expertin eine schwächere Dynamik auf dem für die Branche wichtigen chinesischen Festland. Bismuth verwies unter anderem auf die stark schwankenden Aktienmärkte, was die Konsumstimmung belaste. Ferner lasse die lang erwartete Erholung des Immobilienmarktes auf sich warten. China spielt für die Anbieter von Luxusgütern eine wichtige Rolle, da das riesige Land eine große kaufkräftige Mittelschicht besitzt. Diese ist allerdings stark auf einen funktionierenden Immobilienmarkt angewiesen, in dem ein Großteil des privaten Vermögens gebunden ist.

Damit habe sich der Kreativitätsschub in der Branche, auf den sie im März noch gehofft habe, noch nicht unmittelbar positiv ausgewirkt, fuhr die Expertin fort. Vielmehr baue sich diese Inspirationswelle je nach Marke erst allmählich auf. Während einige Häuser langfristig investierten, versuchten andere, bei ambitionierten Verbrauchern taktisch wieder an Zugkraft zu gewinnen, indem mehr günstige Produkte verkauft werden. Dies dürfte sich nicht auf die Margen auswirken, da es durch höhere Absatzmengen ausgeglichen werden sollte.

Unter dem Strich überwiegt bei Bismuth erst einmal die Skepsis. So strich sie ihre Kaufempfehlungen für die Aktien von Burberry und LVMH. Die Papiere der Franzosen sackten damit in Paris auf das Niveau von Ende 2020 ab. Zuletzt stand ein Minus von 2,6 Prozent auf 415,50 Euro zu Buche, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> um 1,7 Prozent abrutschte.

Der HSBC-Expertin zufolge dürften kurzfristig vor allem die Aussichten für das "Soft-Luxury"-Segment schwierig bleiben - "ein Bereich, der leider gerade die Kernkompetenz von LVMH darstellt", wie Bismuth hervorhob. Dieses Untersegment umfasst langlebige Konsumgüter wie Accessoires, Designer-Kleidung, Lederwaren, Mode und Schuhe. Und bei LVMH zählen laut der Expertin die Geschäftsbereiche Mode und Leder zu den wichtigsten Sparten.

Die Anteilsscheine von Burberry weiteten in London ihre jüngsten Verluste aus und büßten zuletzt 2,6 Prozent ein. Bei den Briten komme die Sanierung zwar gut voran, jedoch bestehe kaum Spielraum für Aufwärtskorrekturen bei den Umsatz- und Gewinnschätzungen, schrieb Bismuth.

Branchenfavorit der HSBC-Expertin ist weiterhin Richemont. Die jüngsten Quartalsergebnisse hätten einmal mehr die Stärke des Schmucksegments und die Attraktivität der Schmuckhäuser des Konzerns unterstrichen. Dies sei das Ergebnis der anhaltenden Produktkreativität der Schmuckhäuser sowie der moderateren Preiserhöhungen, die vor dem Hintergrund eines höheren Goldpreises durchgesetzt worden seien. Dennoch fielen die Aktien in Zürich in dem schwachen Marktumfeld um 3,5 Prozent./la/ag/jha/