5. Januar 2026
Daniela Sußmann: "Frauen sollten aufhören, sich für finanzielle Ambitionen zu rechtfertigen"

"Frauen sollten aufhören, sich für finanzielle Ambitionen zu rechtfertigen"

Eine Ehe ist keine Lebensversicherung. Frauen sollten bei der Geldanlage selbst aktiv werden. Wir haben Börsenexpertin Daniela Sußmann und Gründerin der Dr. Sußmann Consulting GmbH befragt.

Frau Sußmann, Sie sagen: „Wahre Freiheit beginnt nicht mit einem Heiratsantrag, sondern mit einem Depot.“ Was bedeutet finanzielle Freiheit für Sie persönlich?

Finanzielle Freiheit bedeutet für mich, Entscheidungen unabhängig von äußeren Erwartungen oder traditionellen Rollenbildern treffen zu können. Ein Depot steht dafür, dass eine Frau ihre finanzielle Basis selbst in der Hand hat. Geld ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für Selbstbestimmung; für die Möglichkeit, Lebensmodelle frei zu wählen, statt sich auf die finanzielle Sicherheit eines Partners verlassen zu müssen. Ich sage immer gerne: Ein Partner kann dich verlassen – dein Depot nicht. Wahre Freiheit entsteht, wenn eine Frau ihre wirtschaftliche Zukunft selbst gestaltet und damit nicht nur die Gegenwart, sondern auch das Alter aktiv absichert.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten mentalen Hürden, weshalb Frauen noch immer zögern, sich mit Kapitalmarkt und Vermögensaufbau auseinanderzusetzen?

Eine zentrale Hürde ist die tief verankerte Vorstellung, dass Finanzen ein „männliches Spielfeld“ seien. Viele Frauen neigen dazu, finanzielle Verantwortung zu delegieren, häufig ohne sich bewusst zu machen, welche langfristigen Nachteile daraus entstehen. Hinzu kommt, dass traditionelle Rollenmodelle aktuell wieder mehr Zuspruch erhalten und die Illusion nähren, wirtschaftliche Sicherheit liege dauerhaft beim Partner. Diese gesellschaftlichen Prägungen erzeugen Unsicherheit, Selbstzweifel und das Gefühl, nicht genug Wissen mitzubringen, um eigenständig zu investieren. Dabei zeigt sich gerade bei Frauen, dass finanzielle Kompetenz durch kontinuierliche Beschäftigung und realistische Einschätzung der eigenen Situation wächst.

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Viele Frauen empfinden Geldthemen als unromantisch oder „nicht weiblich“. Wie lassen sich gesellschaftliche Glaubenssätze zum Thema Geld nachhaltig aufbrechen?

Indem wir Geld als Teil von Selbstbestimmung statt als Gegensatz zu Weiblichkeit begreifen. Finanzielle Bildung ist ein entscheidender Baustein für Empowerment. Frauen sollten aufhören, sich für finanzielle Ambitionen zu rechtfertigen, und erkennen, dass ökonomische Eigenständigkeit nicht nur zu mehr Sicherheit, sondern auch zu größerer Freiheit führt. Wenn wir offen über Versorgungslücken, Care-Arbeit und Lebensmodelle sprechen und gleichzeitig erfolgreiche, eigenständige Investorinnen sichtbar machen, können starre Glaubenssätze durchbrochen werden. Je stärker das Bewusstsein wächst, dass finanzielle Verantwortung ein natürlicher Teil moderner Lebensgestaltung ist, desto eher löst sich die veraltete Idee, Geld sei „unromantisch“ – und nur mit Geld gibt’s Diamanten.

Welche ersten Schritte empfehlen Sie Frauen, die noch keinerlei Börsenerfahrung haben und Angst vor Verlusten oder Überforderung verspüren?

Der wichtigste Schritt ist, frühzeitig zu beginnen und sich nicht von Perfektionismus bremsen zu lassen. Vermögensaufbau entsteht durch Kontinuität – regelmäßige, auch kleine Sparbeträge können langfristig erheblichen Unterschied machen. Ein realistischer Blick auf die eigene finanzielle Situation, das Erkennen möglicher Versorgungslücken und das Setzen klarer Prioritäten bilden die Basis. Und: Man muss nicht verstehen, wie die Börse im Detail funktioniert oder den Zinseszinseffekt mathematisch erklären können – entscheidend ist, ihn zu nutzen. Albert Einstein soll nicht ohne Grund gesagt haben, der Zinseszins sei die stärkste Kraft im Universum. Wer langfristig denkt und dabei dranbleibt, profitiert von genau dieser Kraft, selbst dann, wenn Märkte kurzfristig unsicher wirken.

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Sind in diesem Zusammenhang nicht gerade ETFs besonders geeignet?

Ja, besonders für Einsteigerinnen eignen sich ETFs hervorragend, weil sie Diversifikation, Transparenz und eine langfristig stabile Entwicklung ermöglichen. Ein breit gestreuter ETF reduziert Risiken, da er verschiedene Regionen, Branchen und Unternehmen berücksichtigt. Zudem erlaubt er schon mit kleinen, regelmäßigen Sparraten einen strukturierten Einstieg in den Vermögensaufbau. Wie das Beispiel einer monatlichen Einzahlung von 300 Euro zeigt, kann langfristiges ETF-Sparen über Jahrzehnte hinweg ein erhebliches Vermögen aufbauen – ohne dass dafür Vorwissen über einzelne Aktien notwendig ist.

Tipp: Egal, ob Frau oder Mann: Lege dir einen Sparplan zu und nutze vorher unseren ETF-Sparplan-Vergleich.

Wie unterscheiden sich Investmentstrategien Ihrer Klientinnen im Vergleich zu Männern – und welche Stärken werden bislang unterschätzt?

Frauen investieren häufig bewusster, reflektierter und langfristiger. Sie handeln weniger impulsiv und lassen sich seltener von kurzfristigen Trends oder vermeintlich schnellen Gewinnen leiten. Diese strategische Ruhe wird jedoch oft unterschätzt, obwohl sie langfristig zu stabileren Ergebnissen führt. Die größte Stärke vieler Frauen liegt darin, Prioritäten realistisch zu setzen, Risiken nüchtern zu bewerten und konsequent an einer Strategie festzuhalten. Wenn sie ihre Entscheidungen nicht delegieren, sondern selbst entwickeln und regelmäßig anpassen, bauen sie eine besonders nachhaltige Form finanzieller Eigenständigkeit auf.

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