Zu Wochenbeginn ist das dritte Hilfsprogramm der europäischen Geberländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland ausgelaufen. Seit 2010 haben die Euro-Krisenfonds EFSF und ESM sowie IWF-Töpfe die Griechen mit Krediten unterstützt. Letztlich sind rund 289 Milliarden Euro geflossen – im Gegenzug für harte Spar- und Reformschritte, darunter erhebliche Lohn- und Rentenkürzungen. Die letzte Tranche von 15 Milliarden Euro wurde Anfang August nach Athen überwiesen. Griechenland muss den weiteren Weg nun wieder alleine beschreiten. Die Staatsschulden des Landes belaufen sich noch immer auf hohe 178 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sind laut Ministerpräsident Tsipras und den EU-Geldgebern aber tragbar. Mit der Tilgung muss Athen ohnehin erst ab dem Jahr 2032 beginnen. Dank früherer Emissionen und aus unerwartet hohen Haushaltsüberschüssen verfüge das Land über Liquidität von rund 24 Milliarden Euro – genug, um seinen Schuldendienst für die nächsten zwei Jahre zu bedienen, hieß es aus Athen. „Das bedeutet, dass wir sogar ohne eine einzige Emission unseren Bedarf decken können“, sagte Finanzminister Efklidis Tsakalotos.
Ökonomische Verfestigung
Der gute Verlauf der europäischen Konjunktur hat auch die griechische Wirtschaft angetrieben. 2017 wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent, nachdem die Wirtschaftsleistung im Vorjahr noch um 0,2 Prozent geschrumpft war. Für dieses Jahr geht Athen von einem Wachstum von zwei Prozent aus. „Die Griechenland-Krise endet hier“, sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici jüngst, als die Eurofinanzminister das Ende des Programms und nochmalige Schuldenerleichterungen beschlossen. So wurden die Rückzahlungsfristen für einen Großteil der Kredite abermals gestreckt und Zins und Tilgung um weitere zehn Jahre gestundet.
Athen bleibt ein heißes Pflaster
Bleibt die Frage, ob Investments auf dem griechischen Aktienmark zum jetzigen Zeitpunkt eine lohnenswerte Entscheidung sein können. Der wirtschaftlichen Verfestigung steht die Unsicherheit entgegen, künftig aus eigener Kraft den Haushalt zu konsolidieren und die Finanzmärkte zu vernünftigen Zinsen anzapfen zu können. Immerhin haben die Hilfspakete dazu beigetragen, dass die Banken des Landes gesunden konnten. Alle griechischen Banken haben den jüngsten Stresstest der Europäischen Notenbank bestanden. Bankaktien gehörten in diesem Jahr an der Athener Börse zu den großen Gewinnern. Der schwergewichtige Finanzsektor trug maßgeblich dazu bei, dass der Athener Aktienindex zuletzt verlorenen Boden gutmachen konnte. Im passiven Investmentbereich können interessierte Anleger mit dem Lyxor FTSE Athex Large Cap UCITS ETF (WKN: LYX0BF) an der Wertentwicklung der großen Unternehmen Griechenlands partizipieren. Der ETF bündelt die 25 größten Blue-Chip-Unternehmen der Athens Exchange. Der Finanzsektor ist dabei zu 26 Prozent gewichtet. Griechenland bleibt ein heißes Pflaster: In diesem Jahr performte der Fonds bisher um rund neun Prozent schwächer, 2017 ging es noch um über 20 Prozent nach oben. Die Kostenquote beträgt 0,45 Prozent.
Weitere interessante Investmentmöglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlagemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.
Autor Thomas Brummer
Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich.
Durch den geringen Gleichlauf des griechischen Aktienmarktes mit den großen Aktienmärkten bieten griechische Aktien Diversifikationspotenzial. Der wirtschaftliche Turnaround ist in greifbarer Nähe. Doch Vorsicht. Passive Indexfonds bergen Klumpenrisiken, während ein aktiver Managementansatz...