14. Februar 2025
Prognosen? Besser nicht darauf vertrauen!

Prognosen? Besser nicht darauf vertrauen!

Geldanlage und Prognosen: das scheint irgendwie immer zusammenzugehören. Philipp Dobbert, Chefvolkswirt bei der Quirin Privatbank und quirion, erklärt, warum es besser ist, keine Prognosen zu nutzen.

Zum Jahreswechsel herrscht wieder Hochkonjunktur für Prognosen – insbesondere, wenn es um den Stand des DAX oder anderer Börsenindizes geht. Aber bringen diese Vorhersagen wirklich einen Vorteil für die Geldanlage?

Ganz klar: Nein. Prognosen zu vertrauen, ist sogar kontraproduktiv. Sie vermitteln die falsche Vorstellung, dass man die Entwicklung der Märkte zuverlässig vorhersagen und seine Anlageentscheidungen darauf stützen kann. Die Realität ist, dass das Zutreffen solch konkrete Vorhersagen meist nur Zufall ist. Sie sagen nicht einmal verlässlich, in welche Richtung sich die Märkte tatsächlich entwickeln werden. Immer wieder hat sich gezeigt, dass eine genaue Vorhersage der Kursentwicklung schlichtweg nicht möglich ist.

Warum ist das so?

Es gibt viel zu viele Faktoren, die die Märkte beeinflussen: Unternehmensentscheidungen, Zinspolitik, wirtschaftliche Entwicklungen – und das sind nur einige Beispiele. Noch schlimmer: Manche dieser Einflussgrößen sind heute bekannt oder absehbar –  andere dagegen kennt man heute noch überhaupt nicht . Und selbst wenn man Ereignisse an sich korrekt vorhersagt, bleibt immer die Ungewissheit, wie der Aktienmarkt darauf reagiert. Auch im Jahr 2024 gab es wieder zahlreiche Überraschungen, die niemand im Voraus erwartet hätte – von starken Kursanstiegen in verschiedenen Aktienmärkten bis hin zu unerwarteten wirtschaftlichen Wendungen.

Warum sind Prognosen trotzdem so beliebt?

Ich bin kein Psychologe, aber es könnte daran liegen, dass wir Menschen gerne Muster erkennen und uns fragen, was in der Zukunft passieren wird – sei es bei persönlichen Ereignissen oder auch in größeren Zusammenhängen. Es ist ein natürlicher Wunsch, einen Vorteil zu haben, indem man in die Zukunft blickt. Das funktioniert am Aktienmarkt aber genau so wenig wie im täglichen Leben, auch nicht mit Expertenwissen. Daher sollten Prognosen niemals die Basis für Investitionsentscheidungen sein.

Ein weiterer Punkt: Prognose-Stories sind überaus spannend und unterhaltsam – auch für mich übrigens. Es ist auch überhaupt nichts dabei, sich mit diesen Prognosen auseinanderzusetzen, sie verstehen zu wollen, sie zu hinterfragen. Wir tun das für unsere Kunden auch. Nur: Anlageentscheidungen sollte man niemals treffen, weil man sicher ist, dass eine bestimmte Prognose eintreten wird.

Was ist mit der Konjunktur? Könnte ich nicht zumindest auf Basis von Wirtschaftsdaten Länder identifizieren, in denen sich Investitionen lohnen?

Auch hier ist Vorsicht geboten. Zwar ist es bei Konjunkturprognosen oft einfacher, zumindest grobe Tendenzen zu erkennen. Das hat aber vor allem etwas damit zu tun, dass die realistischen Bandbreiten viel kleiner als an den Aktienmärkten sind. Dass der DAX Ende 2025 bei 15.000 oder 25.000 Punkten steht – beides wäre theoretisch möglich. Aber eine Wirtschaft, die entweder um 10 Prozent wächst oder schrumpft? Das ist höchst unwahrscheinlich. Aber: Was ein Mehr oder Weniger an Wachstum in einer Volkswirtschaft für den jeweiligen Aktienmarkt bedeutet, dass ist mit dieser Prognose noch überhaupt nicht gesagt.

Wenn ich mich intensiv mit den Daten beschäftige und fundierte Analysen anstelle – hilft das, meine Erfolgschancen zu steigern?

Leider nein. Solche Analysen haben ja immer den Zweck, die Märkte, die Aktien, die Investments zu finden die „besonders gut laufen“. Die Kapitalmarktforschung hat immer wieder eindeutig gezeigt: Selbst mit umfangreichsten Analysen gelingt das nicht systematisch, auch nicht den Profis wie z. B. Fondsmanagern. Tatsächlich zeigt eine Studie von S&P Global aus dem April 2024, dass 92 Prozent der aktiven Fonds mit Fokus auf europäische Aktien in den letzten zehn Jahren den breiten Markt nicht schlagen konnten. Bei weltweit investierenden Fonds lag die Quote sogar bei 98 Prozent.

Was kann ich also tun, um meine Chancen auf eine Rendite zu erhöhen?

Auf eine breite Diversifikation setzen – idealerweise global. Die langfristigen Renditen an den Aktienmärkten liegen im Durchschnitt bei 7 bis 8 Prozent pro Jahr. Das ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis der engen Verbindung zwischen Weltwirtschaft und Aktienmärkten. Die Wirtschaft ist langfristig bisher immer gewachsen, und dadurch sind auch die Aktienmärkte bisher immer gestiegen.

Unsere Anlagestrategie bei quirion setzt auf ein global diversifiziertes ETF-Portfolio, das ohne Prognosen auskommt. Wir profitieren so vom weltweiten Wirtschaftswachstum, und die Streuung verhindert die Risiken, die mit Spekulationen und Prognosen zwangsläufig immer verbunden sind. Das ist eine viel schlauere Strategie, als auf einzelne „Zufallstreffer“ zu hoffen.

Tipp: Erfahre jetzt mehr über diese Anlagestrategie und investiere smart mit quirion. *