
ELTIF – auf den Spuren einer neuen Anlageklasse
Die Buchstaben ELTIF sind ein Akronym für European Long Term Investment Fund. Dahinter verbirgt sich ein Fondskonstrukt, welches langfristig Kapital für wirtschaftliche Projekte bereitstellen soll. Erstmalig wurde dieses Fondsvehikel im Jahr 2015 durch die europäischen Aufsichtsbehörden zugelassen und im Jahr 2024 grundlegend reformiert, um den Zugang für Privatanleger zu erleichtern und Investitionen in strategisch wichtigen Bereichen zu fördern.
Das Besondere an den ELTIFs ist der Fokus auf nicht liquide Anlageklassen. Mit einem ELTIF bietet sich dem Anleger die Möglichkeit, in nicht börsennotierte Unternehmen, Infrastrukturprojekte oder Sachwerte zu investieren. Ziel ist es, privates und institutionelles Kapital in Bereiche zu lenken, die für Wachstum, Innovation und nachhaltige Entwicklung in Europa entscheidend sind. Dabei sind die Anlagehorizonte über viele, viele Jahre gestreckt. Avisierte Investitionszeiträume von 50 Jahren sind hier keine Seltenheit.
ELTIFs können eine breite Palette an realwirtschaftlich orientierten Assetklassen abdecken. Die wichtigsten werden im Folgenden vorgestellt. Der Bereich der Infrastrukturinvestitionen umfasst vielfach den Ausbau bestehender Netze. Dazu zählen Straßennetze, Schienennetze, Energienetze oder auch Telekommunikationsnetze. All diese Investitionen verlangen sehr lange Investitionszeiträume, da der Aufbau dieser Netze sehr viel Kapital bindet und die Nutzungsentgelte über die gesamte Betriebsdauer erhoben und an die Netzbetreiber ausgezahlt werden. Es ist offensichtlich, dass die Baukosten einer großen Schrägseilbrücke nicht über wenige Jahre durch die Nutzergebühren amortisiert werden können, sondern über Jahrzehnte. Dafür weisen solche Projekte typischerweise vorhersehbare Cashflows, langfristige Nutzungszyklen und teilweise staatliche Unterstützung auf. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien (Windkraft, Photovoltaik etc.) verlangt lange Investitionszyklen und ist somit idealtypisch für die Investitionsfinanzierung mittels eines ELTIFs geeignet. Erneuerbare Energien spielen eine zentrale Rolle für die globale Energiewende, da sie eine CO2-arme Energieversorgung ermöglichen, geopolitische Abhängigkeiten reduzieren und technologische Innovationen fördern.
Da Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien hohe Anfangsinvestitionen erfordern, sich aber oft erst über Jahrzehnte amortisieren, sorgt die Struktur eines -ELTIFs für die nötige Planungssicherheit für Entwickler und Investoren. Gleichzeitig leisten ELTIF finanzierte Projekte einen wichtigen Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeits- und Klimazielen. Ein weiterer Vorteil liegt in den stabilen und langfristig inflationsresistenten Cashflows, die viele erneuerbare Energieprojekte erwirtschaften – etwa durch Einspeisevergütungen oder langfristige Abnahmeverträge. Zudem können ELTIFs ihr Kapital breit diversifizieren und in eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien und Regionen investieren, was das Risiko einzelner Projekte deutlich reduziert.
Trotz des zunehmenden Reifegrads vieler Technologien bestehen weiterhin operative und technologische Risiken, etwa durch unerwartete Wartungskosten oder niedrigere Energieerträge als prognostiziert. Darüber hinaus ist die Entwicklung großer Projekte oft komplex, da Genehmigungsverfahren, Bauprozesse und mögliche lokale Widerstände zu Verzögerungen und Kostensteigerungen führen können.
Investitionen in Private Equity oder auch in Private Debt sind über ELTIFs darstellbar. Private Equity und Private Debt bieten institutionellen wie auch privaten Anlegern interessante Chancen, gehen jedoch jeweils mit spezifischen Risiken einher. Private Equity ermöglicht den Zugang zu nicht börsennotierten Unternehmen und eröffnet damit Potenziale für überdurchschnittliche Renditen, da Wertsteigerungen nicht den kurzfristigen Schwankungen öffentlicher Märkte unterliegen. Zudem können Investoren von einer aktiven Mitgestaltung profitieren, da Private-Equity-Gesellschaften häufig direkten Einfluss auf strategische Entscheidungen und operative Verbesserungen der Portfoliounternehmen nehmen. Gleichzeitig sind Private-Equity-Investitionen langfristig und illiquide. Das eingesetzte Kapital ist oft über viele Jahre gebunden und der Erfolg hängt stark von der Qualität des Managements sowie der Fähigkeit ab, Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln. Auch das Risiko von Fehleinschätzungen – etwa bezüglich Markttrends oder Unternehmensbewertungen – ist nicht zu unterschätzen.
Private Debt wiederum bietet Anlegern die Möglichkeit, an der Fremdfinanzierung von Unternehmen teilzunehmen und im Gegenzug stabile, planbare Zinszahlungen zu erhalten. Es kann eine attraktive Diversifikation darstellen, da die Renditen meist weniger stark mit den Aktienmärkten korrelieren. Kreditnehmer sind häufig mittelständische oder wachsende Unternehmen, deren Bonität schwieriger einzuschätzen ist als die von börsennotierten Konzernen. In wirtschaftlich schwachen Phasen kann es zu Zahlungsverzögerungen oder Ausfällen kommen und die eingeschränkte Handelbarkeit der Kreditinstrumente führt ebenfalls zu einer geringeren Liquidität. Insgesamt bieten beide Anlageformen attraktive Renditechancen, verlangen jedoch eine sorgfältige Analyse, eine langfristige Perspektive und eine hohe Risikobereitschaft.
Die Auswahl, wie und wo investiert werden soll, übernimmt im Fall eines ELTIFs der Fondsmanager, sodass sich der Anleger mit diesen schwierigen Fragen nicht auseinandersetzen muss. Private Equity und Infrastruktur haben historisch überdurchschnittliche Erträge erzielt, wenngleich diese häufig mit längeren Laufzeiten verbunden sind. Zusätzlich profitieren Anleger von einer regulierten Produktstruktur, die dank klarer EU-Standards ein hohes Maß an Transparenz, definierte Vorgaben zur Risikostreuung und umfassenden Anlegerschutz gewährleistet. Den Vorteilen stehen jedoch auch wesentliche Nachteile gegenüber. Da ELTIFs vor allem in illiquide Vermögenswerte investieren, sind Rückgaben nur eingeschränkt und meist zu festgelegten Zeitpunkten möglich, sodass Anleger mit langen Haltedauern rechnen müssen. Zudem ist die Struktur solcher Fonds komplex und die damit verbundenen Risiken lassen sich aufgrund der geringeren Transparenz der Private Markets nur schwer einschätzen. Hinzu kommt, dass die Kostenstruktur höher ist als bei liquiden Fonds, da Management- und Performancegebühren sowie projektbezogene Kosten die Rendite mindern können.
Fazit:
ELTIFs sind ein strategisch wichtiges Instrument, um Anlegerkapital in langfristige, realwirtschaftliche und nachhaltige Projekte zu lenken. Sie bieten Zugang zu Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Green Energy – Bereichen mit hohem Renditepotenzial und gesellschaftlicher Relevanz. Gleichzeitig bleibt die Assetklasse aufgrund von ihrer Komplexität, Liquiditätseinschränkungen und Kostenstruktur anspruchsvoll. Für langfristig orientierte Anleger, die eine breitere Diversifikation und Zugang zu professionellen Private-Market-Strategien suchen, können ELTIFs jedoch eine attraktive Ergänzung des Gesamtportfolios darstellen.
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Disclaimer
Eine Investition in Fonds/ETFs unterliegt bestimmten Risiken. Als mögliche Risiken kommen Kursschwankungs- und Kursverlustrisiken, Bonitäts- und Emittentenrisiken, Wechselkurs- oder Zinsänderungsrisiken in Betracht. Diese können kumuliert oder einzeln auftreten. Chancen und Risiken im Überblick: