20. Juli 2023

ROUNDUP: Givaudan setzt trotz Preiserhöhungen weniger um

VERNIER (dpa-AFX) - Der Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan (Profil) hat im ersten Halbjahr trotz fortlaufender Preiserhöhungen weniger umgesetzt. Der Genfer Konzern litt unter einem schwachen Aromengeschäft in Nordamerika. Auch die Profitabilität blieb wegen der gestiegenen Kosten unter Druck. Effizienzmaßnahmen zeigten aber erste Wirkungen.

Der Umsatz sank um 3,2 Prozent auf 3,54 Milliarden Franken (rund 3,7 Mrd Euro), wie der Lieferant von Aromen und Duftstoffen für Esswaren, Parfüms, Haushalts- und Pflegeartikel am Donnerstag mitteilte. Organisch, also um Zu- und Verkäufe sowie Währungseinflüsse bereinigt, legte der Konzern mit 2,4 Prozent dagegen weiter zu. Die beim organischen Wachstum angepeilt Bandbreite von 4 bis 5 Prozent wurde aber verfehlt. Auch die Erwartung der Analysten lag etwas höher. Vorbörslich gaben Givaudan-Aktien um 0,3 Prozent nach.

Givaudan hatte im ersten Halbjahr im derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit einer schwachen Volumenentwicklung zu kämpfen. Während in den Schwellenländern ein organisches Wachstum von 8,9 Prozent resultierte, sank dieses in den reifen Märkten um 2,6 Prozent.

Besonders das Aromengeschäft im Nordamerika war mit einem organischen Rückgang von 12 Prozent schwach. Auch in der Region Asien-Pazifik gingen die Aromen-Verkäufe zurück. Stark war das Wachstum dagegen in der Region Südasien, Naher Osten und Afrika sowie in Lateinamerika. Auch in Europa ergab sich ein leichter Zuwachs. Insgesamt sanken die Verkäufe in der Aromendivision aber um 7,1 Prozent auf 1,86 Milliarden Franken (organisch minus 0,9 Prozent).

Weiter stark blieb dagegen das Geschäft mit Luxusparfüms. Dank einem anhaltend starken Neugeschäft stieg das organische Wachstum in der Luxusparfümerie um 16 Prozent. Alle Segmenten in der Duftstoffdivision hätten zudem von Preiserhöhungen profitiert, heißt es. Insgesamt stiegen die Verkäufe in der Division um 1,6 Prozent auf 1,67 Milliarden (organisch plus 6,4 Prozent).

Der für seine Preissetzungsmacht bekannte Konzern wälzte dabei gestiegene Kosten weiter auf seine Kunden ab. Die Preiserhöhungen erfolgen aber immer mit Verzögerung und führen zu einem Verwässerungseffekt. Zum Jahresbeginn hatte Givaudan deswegen ein Programm zur Effizienzsteigerung eingeleitet. Die Maßnahmen seien auf gutem Weg und hätten sich bereits bemerkbar gemacht. So stieg die Bruttomarge auf 41 von 40 Prozent.

Der operative Gewinn (Ebitda) auf vergleichbarer Basis, das heißt um wesentliche Einmaleffekte bereinigt, sank zwar um 2,1 Prozent auf 803 Millionen Franken. Die entsprechende Marge lag mit 22,7 Prozent aber über den 22,5 Prozent aus dem Vorjahr.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank dagegen um 6,5 Prozent auf 763 Millionen Franken und die Marge ging auf 21,6 von 22,4 Prozent zurück. Am Ende blieb zum Halbjahr ein um zwei Prozent höherer Reingewinn von 449 Millionen Franken, wobei im Vorjahr deutlich höhere nicht-operative Kosten angefallen waren.

Mit Blick nach vorne ist Givaudan weiter darum bemüht, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Konzern rechnet dabei für das laufende Jahr weiterhin mit einem Kostenanstieg von rund 5 Prozent. Auch die Effizienzmaßnahmen sollen weiter vorangetrieben werden. Insgesamt geht Givaudan deswegen für 2023 von Restrukturierungskosten von 60 Millionen Franken aus.

Einen konkreten Ausblick auf das laufende Jahr gibt Givaudan wie üblich nicht. Die mittelfristigen Ziele bleiben aber gültig. Demnach will Givaudan ein organisches Wachstum von mindestens 4 bis 5 Prozent pro Jahr erreichen. Zudem soll der freie Cashflow (Mittelzufluss) jeweils mindestens 12 Prozent des Umsatzes ausmachen./jl/rw/AWP/jha/